Glorious Games

Der Mensch hat immer das Gefühl, die Welt drehe sich nur um ihn („I’m wearing golden crowns, how can you leave me now?“)– wo wir in Wahrheit nichts mehr als ein
Mückenschiss im Urmeer der Zeit sind („everything is made of dust“).“
– Luca Daniel (Liedsänger)

Zu Beginn des Filmes befindet sich die Figur Mensch – als Sinnbild für jeden Einzelnen – in ihrer Welt. Dies ist ein Ort, den sie versteht und kontrolliert. Hier hat sich der Mensch eine strukturierte Umgebung erbaut, die er vollständig beherrscht und somit eine Welt gestaltet, an deren Spitze nur er allein steht. Er vergisst vollkommen, dass es außerhalb dieser „Blase“
(metaphorisch) womöglich noch anderes, stärkeres gibt als ihn.
Plötzlich taucht etwas Fremdes in seiner Welt auf, eine staubartige Masse („dust“ aus den Lyrics) und der Mensch reagiert zunächst verwirrt, doch schon nach dem ersten Kontakt erkennt er, dass dieser Staub bloß Chaos in seine sichere Ordnung bringen würde.
Der Mensch versucht sich mit den ihm bekannten Elementen seiner Welt zur Wehr zu setzen, doch der Staub saugt diese in sich ein und breitet sich weiter aus.
Der Mensch begreift, dass er dieser Macht nicht gewachsen ist und flüchtet.
Er bewegt sich durch seine wohlbekannte Umgebung hindurch, versucht vergebens sich zu verstecken und flieht weiter. Sein anfängliches Gefühl der Überlegenheit ist längst verschwunden und er begreift, dass er keinerelei Kontrolle mehr hat, während seine Welt nach und nach im Staub verschwindet.
Die Figur Staub ist eine Metapher für den unleugbauren fortschreitenden Fluss der Zeit, der alles mit sich reisst und Dinge enden und beginnen lässt. Auch der Mensch kann sich dieser Macht nicht widersetzen und sieht sich am Ende unmittelbar mit der Erkenntnis konfrontiert, vor der er die ganze Zeit geflüchtet ist: Er ist nicht Herr der Schöpfung, der sämtliche Regeln macht, sondern muss sich selbst auch den höheren Mächten unterwerfen.
Als er nun dem Staub gegenüber seht, schreitet er freiwillig hinein und akzeptiert sein Schicksal wieder Teil dieser Urkraft zu werden.

In erster Linie handelt das Video von der Akzeptanz, dass es ein Ende gibt. Dieses Ende liegt allerdings im Auge des Betrachters, denn der Untergang einer Schöpfung bedeutet das Entstehen einer neuen. So endet das Video quasi mit dem Anfang. Die Geschichte des Lebens ist ein ewiger Kreislauf und es ist vollkommen irrelevant wie wichtig sich ein einzelnes Wesen dabei nimmt.
Die Ausweglosigkeit und womöglich Niedergeschlagenheit des Endes wandelt sich bloß in Neugierde und Hoffnung auf das Neue.

Auf der gestalterischen Ebene habe ich versucht das Feeling des Songes durch einen rauen Look und roughe Animationen einzufangen. Ausserdem finden sich versteckte Symboliken in manchen Bildern, die sich auf das Verstreichen der Zeit oder die Identität des Menschen beziehen.
Besonders die Anfangs- und Schlussszenen weisen bewusst gewisse Parallelen auf, um noch einmal zu verdeutlichen wie sich die Ausgangssituation zur Endsituation hin inhaltlich verändert hat, auch wenn sich beide visuell ähnlich sind.
Der Staub hebt sich visuell auch durch seine Farbe ab. Das Türkis bildet einen Komplementärkontrast zu den rötlich/ orangenen Farben des Menschen und dessen Welt und markiert den Staub somit noch deutlicher als fremdartig. Er symbolisiert im Gegensatz zur strukturieren Formen-Welt des Menschen das Chaos, das sich der Ordnung entgegenstellt.
Die Figur Mensch ist optisch als Silhouette umgesetzt, deren Form bis zu einem gewissen Maß flexibel ist. Ich wollte kein genaues Aussehen des Menschen festlegen, da diese Figur für jeden Einzelnen steht und somit variabel ist. Das bedeutet, in den Szene darf sie mal gedrungener, länger, breiter oder schmäler aussehen.

Isabelle Laue – Glorious Games | 3:34
Hochschule: Hochschule RheinMain Wiesbaden